ULRICUS - Instrumentenbau - Wilfried Ulrich

     Die Hummel :

Neuste Entdeckung:

Hummel aus  Gut-Damp

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1698 wurde die Stuckarbeit an der Decke von Gut Damp (an der Ostsee) durch Joseph Mogia (und seiner Werkstatt) ausgeführt. 8 leichtbekleidete junge Damen sind mit echten Musikinstrumenten unter der Decke adaptiert: Blockflöte und Chalumeaux, Geige und Harfe, Gesangbuch und Fanfare, Pauken und eine Hummel. Die Hummel war 1698 ohne Saiten, mit einem fehlenden Wirbel und einem herausgebrochenen Teil der Decke zwischen Schalloch und äußerem Bauch aufgefunden worden. Die Stuccatori haben die Bruchstelle mit einem Leinenstreifen "geflickt". Vier neue dicke Saiten bekam das Instrument und einen Bogen. Die Stuccatori waren in Unkenntnis des Instrumentes Hummel und haben so "ein schönes Bild" kreiert. Das Instrument unter der Decke des Herrenhauses wurde wegen des Bogens lange als "langspil" bezeichnet. Informationen über das isländische Langspil sind jedoch erst um 1789 und 1810 bekannt geworden!

Wie lange hat das Instrument vor 1698 kaputt auf dem Dachboden gelegen? Wie lange davor ist es spielfähig zur Freude von Knechten und Mägden bei "Danz op de Deel" gebraucht worden. Praetorius hat das Scheitholt 1619  "Lumpen Instrument" genannt. Kann man wirklich annehmen, daß der adelige Gutsherr Bendix von Ahlefeldt in seiner Eingangs- und Musikhalle ein Lumpeninstrument nobilitiert hat? Oder hat vielleicht Margarete von Ahlefeldt oder eine ihrer Töchter das Instrument gespielt ?

Sicher kann man annehmen, daß das Instrument früh im 1. Drittel des 17. Jh. gebaut wurde. Damit ist es nicht weit entfernt zu Praetorius' Scheitholt. Daß der Hofkapellmeister ein solches schlichtes Instrument bekam und keine Hummel, ist somit sicher nur ein Zufall. Das Scheitholt ist durch diese Entdeckung jedenfalls nicht länger der Urgroßvater der Griffbrettzithern !!! Das Scheitholt mag das "Lumpeninstrument" gewesen sein  -  die Hummel wurde hier nobilitiert.

Daß die Hummel in Adelshäusern kein schlechtes Bild abgab, geht auch aus dem Rokokosaal von Schloß Ratzeburg hervor (1766), in dem neben anderen Instrumenten Dudelsack und Hummel ihren Platz fanden.  (Hierzu später mehr)

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Die erste Erwähnung einer Hummel ist überliefert aus dem Jahre 1508!

Im Bericht der "Mittwochsrentkammer" in Köln heißt es: "Konnte man während einer Prozession hören:  Luyten, ..., in positiunen, ..., bongen und piiffen ... Fleutten ... schalmeyen ... fedelen ein Luytten ... ein hommel ... sackyffen ... gyge."

Manche Autoren meinen hier, daß das Hümmelchen - der kleine Dudelsack gemeint sein könnte! Warum werden dann die Dudelsäcke, die Sackpyffen extra erwähnt?  Eine Überlieferung des Namens Hummel für eine Sackpfeife ist nicht gegeben.

Auch Praetorius subsummiert das Hümmelchen unter die Sackpfeifen.

Manche meinen, die Hummel kann gar nicht während einer Prozession gespielt werden, weil sie üblicher Weise auf dem Tisch liegend traktiert wird.

                          Ob man das wohl ausprobieren kann?

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Hummelspieler

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Es gibt keine Probleme!                                            Rechts im Bild:  Ein Zweifler!

Der rechte Unterarm muß lediglich das hintere Ende der Hummel außerhalb des Gurtes herunterdrücken - wie bei der Nyckelharpa.

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  Monochorde 1516

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aus: Musicae Rudimenta, Augsburg 1516

Bayr. Staatsbibliothek

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Das untere Instrument sieht schon aus wie eine richtige Hummel. Noch einige Saiten dazu und die Bünde ...

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Erste bildhafte Darstellung in der Kirche von Rynkeby auf Fünen in Dänemark  1560

Sehr schön zu sehen :  Die diatonische Bundeinteilung - und fingerpicking !

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Scheitholt von 1608 Gemeente Museum in Den Haag (NL)

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In Friesland (NL) hat die Hummel - hier Noardske Balke genannt - 1911 ein schönes Denkmal bekommen:

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Noardske balke

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Wisselprijs Noardske Balke, ein Wanderpreis des Christlichen Sängerbundes von Friesland. Gold und Silber für eine Hummel !

Die Bundeinteilung ist jedoch abenteuerlich !

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Die Hummel, bzw. das Scheitholt, hat einen

                                     westasiatischen Ursprung?

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Dies wurde bereits 1884 von Freihold Alexis in der ZS Instrumentenbau in einem längeren Artikel zur Geschichte der Zither behauptet.

Curt Sachs hat dies dann in seinem "Handbuch der Instrumentenkunde 1919" zu größerer Verbreitung gebracht. Er bezieht sich auf das Tschat'Han, ein Instrument der Katchinzen, eines Turkvolkes aus Sibirien.

In der allerersten Beschreibung des Instrumentes 1895 (Anthropologische Gesellschaft Berlin) heißt es, daß es ein weniger vorkommendes Instrument sei.

Daß ein Instrument eines südsibirischen Nomadenstammes, der in Jurten aus Birkenrinde haust, ganz Mitteleuropa überschwemmt und in "Rückzugsgebieten", wie Mittelgebirgen und Küstenregionen von Belgien bis nach Schweden überlebt - dazu bedarf es großer Phantasie!

Da nun J. Brandelmeier in seinem "wissenschaftlichen Handbuch der Zither" den ganzen Text von Sachs abschreibt, ohne das als Zitat zu kennzeichnen, wird der "westasiatische Ursprung des Scheitholtes" auch über viele Texte und Webseiten zur Zither wieder und wieder behauptet, zum Teil mit der Bemerkung:

                                                     "Wie Wissenschaftler festgestellt haben... ".

                                                     " Ohne Zweifel ... "

                                                     "Höchstwahrscheinlich ... "

                                                      "Vermutlich ... "

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Bei Sachs heißt es auch noch:    "Alle Hummeln haben Schnecken ... "  (!)

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C. Sachs hatte natürlich in seiner damals großartigen Arbeit die Systematik aller Instrumente im Blickfeld, da kann schon mal was verquer laufen bei einer geringen Einzelheit.

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Hans Kennedy hatte bereits 1896 in seinem Buch "Die Zither in Vergangenheit, Gegenwart..."  den westsibirischen Ursprung als Unsinn zurückgewiesen .

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!5 Jahre Forschung zu dem Instrument zusammengefaßt in :

        " Die Hummel - Geschichte einesVolksmusikinstrumentes"

Hierin wird die Entwicklung der Instrumentengattung Hummel vom Monochord herkommend nachgewiesen - u.A. mit einem tollen Holzschnitt von 1516 - 100 Jahre vor Praetorius' Scheitholt !   Infos: Home-Seite.

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Die Hummel war ein weit verbreitetes Volksmusikinstrument im 19. Jahrhundert  -

nicht nur in Norddeutschland. Durch die immer mitschwingenden dicken Begleitseiten, die an das Summen der Hummeln erinnerten, entstand der lautmalerische Name für die Instrumente. In Schweden heißt das Instrument Hummla, in den Niederlanden Hommel oder Noardske Balke, in Belgien Vlier und in Frankreich Bouche oder Epinette, in Tschechien Kobza ( = Holzklotz - vergleichbar Scheitholt) und in Ungarn Citera.

Die Melodiesaiten wurden mit dem linken Zeigefinger oder einem Spielstab niedergedrückt, während die rechte Hand die Saiten mit einem Plättchen oder Federkiel traktierte.

"Es seien viele Hummeln im Ort gewesen " , heißt es 1840 in einem Bericht aus Neukirch in Schlesien. (Schlesisch-Oberlausitz)

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Hummel

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Diese Rekonstruktion der Neukirch-Hummel von 1840 wurde nach der Zeichnung des Dr. Pilk (1900 in Neukirch) 2008 in Norden / Ostfriesland gebaut. (Drei Videos auf YouTube) 

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"Früher hätte es viele Hummeln auf der Insel gegeben" berichtet eine alte Frau einem Heimatforscher in Wyk auf der Insel Föhr in Schleswig-Holstein um 1846. Man hätte die Hummeln zur Begleitung des Sonntagspsalmes benützt - aber auch für die Tanzmusik.

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1871 baut sich der Tischler Adolf  Hilke eine Hummel, die er im Krieg 1870/71 in Frankreich kennen gelernt hat und macht auf diesem Instrument 40 Jahre lang die Tanzmusik auf den Spinnstuben in den Dörfern des Solling - bis um 1910 ein Musikus mit einer Ziehharmonika - einer  "Handorgel" - auftaucht. Die Tänzer wollen nun die Hummel nicht mehr hören, und so schreibt er mit Bleistift auf das Instrument mit großer Enttäuschung:   

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"Du kömst nicht wieder mit.

                                          Sie können nach der Orgel gehen und tanzen".

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Adolf Hilke mit seiner 2. Hümmelke.

Holzstich aus der Zeitschrift

"Die Gartenlaube" von 1931.

Der Heimatforscher Sohnrey berichtet darin über Hilke.

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Die Kopie eines der Instrumente von Hilke wurde 1948 vom Flötenbauer Moeck aus Celle hergestellt. Diese Hummel befindet sich jetzt im Instrumentenmuseum der Uni Göttingen.

 

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Der Bericht meiner Restaurierung der ersten Hummel von Hilke, die sich Museum Northeim befindet, ist nachzulesen ( englisch ) unter:                 www.dulcimersessions.com/feb05/german.html

oder (deutsch) im

"Northeimer Jahrbuch 2004"  , S. 140 - 147 .

(Museum Northeim)


Restaurierung der historischen Hummeln

                                   aus dem Volkskundemuseum Schleswig :

 Restaurierung

Links:

"Dänische Hummel"

aus Sylt.

(Sylt gehörte mal zu Dänemark)

Rechts:

"Friesische Hummel"

aus Kellinghusen (Schleswig-Holstein)

 

.Die Dänische Hummel hat noch handgeschmiedete Wirbel. Daher kann man sie vom Alter her vor 1853 einordnen. Sie ist vermutlich weit älter, denn 1885 war das Instrument bereits im Museum Kiel, wo sie von Hortense Panum untersucht wurde. Über das Museum in Meldorf kam das Instrument dann ins Museum Schleswig.

 1853 wurde im Sauerland die Firma Wagner gegründet, die sich auf Zitherwirbel mit leichtem Gewinde spezialisierte. Diese werden noch heute unter dem Namen "Biene" vertrieben. Die ersten Wirbel hatten einen zweiseitig flachgeschmiedeten Kopf. Die Firma Klinke in Neuenrade (gegr. 1847) begann 1872 ebenso mit der Produktion von Wirbeln mit Vierkant am Kopf. Diese Art Wirbel setzten sich sehr schnell durch.

Die Friesische Hummel mit den Holzwirbeln ist sicher älter. Um 1700 / 1750 ist sicher realistisch.

Der Altertumsforscher Michelsen, der das Instrument 1876 bekam, nachdem er lange vergeblich in ganz Schleswig Holstein versucht hatte,

eine Hummel zu finden, schreibt, 

 "...daß es durch einen Instrumentenmacher ohne große Arbeit mit Sicherheit völlig in Stand gesetzt werden könnte". 

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 Na ja  -  ein wenig mehr Arbeit war schon dran !

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Die CD mit 32 Stücken auf restaurierten Museumsinstrumenten und einigen neuen Hummeln ist zu bekommen für10,- € + Porto. ( E-mail unter Kontakt. )

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"Fisch-Hummel"
2003 gefunden in Schaaflund bei Flensburg
 


  
"Tremolando - Schlagzither"


Die Restaurierung dieser Hummel war Teil meiner Meisterprüfung. Ich habe diese Hummel wegen ihres Fischschwanzartigen Wirbelkopfes so genannt.

Dies ist eine einzigartige Hummel, da sie im Inneren eine Mechanik beinhaltet, die ein Schnarrgeräusch erzeugen soll. Mit den Begleitsaiten rechts und links vom Griffbrett lassen sich zwei verschiedene Akkorde anschlagen. Somit sind die Begleitsaiten keine reinen Bordunsaiten mehr.

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Dieses Instrument ist von einem Sammler in Neu-Ulm. Bei diesem Instrument ist an Stelle der Messingstange ein Brett angefügt, auf das der Spielstab schlägt.

Während des Spiels kann mit dem Spielstab, der auf den Saiten über die Bünde rutscht, das Brett, bzw. die Messingstange rhythmisch heruntergeschlagen werden, um über die Federmechanik den langen Hammer von unten gegen die Saiten tremolieren zu lassen. .

Inzwischen konnte ich herausfinden, daß das Instrument   "Tremolando-Schlagzither" heißt, und daß der Erbauer Bruno Hundt aus Schosdorf / Schlesien ( heute Ubocze ) kam. Um 1924 gab es in Schosdorf eine Tischlerei  G. Hundt. Auf einem Foto vor dem Betrieb sind 38 Personen abgebildet - und zwei Hunde. 

Die Restaurierung des Instrumentes  ist abgeschlossen. Die Funktionsfähigkeit der "Schnarre" läßt sich jedoch nicht wiederherstellen. Dies war sicher die Erfindung einer Besonderheit, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Es ist fraglich, ob die Mechanik jemals funktioniert hat, da sie mit den Holzteilen sehr grobschlächtig ist.

Das Instrument ist sehr mühsam zu spielen!

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   Die einzige Hummel aus Ostfriesland ( um 1800 )

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Hummel

 

Diese Hummel wurde 1995 (!) in Esens auf dem Dachbodeneines Bauernhauses gefunden. Sie hat eins der schönsten Schallöcher ! Das obere Schalloch in seiner stilisierten Lyraform verweist auf die Zeit um 1800, in der die Lyra ein beliebtes Formelement darstellte.

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"....  das unmusikalische Volk ..."

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Diese Instrumente sind beim Volk sehr verbreitet und beliebt gewesen, denn auf einem Scheitholt oder einer Hummel konnte jeder Bauernknecht oder Grobschmied, der kräftig zupacken mußte, dennoch musizieren. Mit dem Spielstab auf der Melodieseaite und der Feder, die über alle Saiten kratzte, war Danz up de Deel  möglich.

Die feingliedrigen Finger zum Traktieren einer Harfe, eines Spinettes oder einer Laute waren bei den Bürgern und Adeligen zu finden. Weil ein kultureller Austausch nicht stattfand, nimmt es nicht Wunder, daß Praetorius 1619 für seinen hohen Herrn, den Herzog von Braunschweig über das Scheitholt schreibt:

"Obwol dieses Instrument billich unter die Lumpen lnstrumenta referiret werden solte: So habe ich doch dasselbe, weil es wenigen bekant, in etwa allhier deliniiren wollen ... "

Die Liste mit negativen Bemerkungen kann erweitert werden : 

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1699 schreibt Klaas Douwes, Organist und Lehrer in Friesland (Nord-Niederlande) über die „Noordsche Balke“ - so wird die Hummel dort zeitweise genannt :

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„Die einzufügenden Halbtöne werden nicht gesetzt / weshalb es ein sehr einfaches Instrument ist, auf dem nicht viel getan werden kann.“

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1771 schreibt Jacob Wilhelm Lustig, ein Hamburger, der in Groningen an der Martinikirche Organist war:

„ Weiter, mit den Dingen, die bei Kirmissen und Soldatenmusik gebraucht werden, gedenke ich mich nicht aufzuhalten: also bleibt die Noorsche Balk, das Hackbrett und dergleichen außerhalb der Anmerkungen.“

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Interessant ist, daß in West-Friesland (NL) im 20. Jh. bei Musikwettbewerben des Koninklijke Christelijke Zangersbond afdeling Friesland 

als erster Preis ein Wanderpreis  mit dem Namen Noardske Balke, vergeben wurde.   Innerhalb eines silbernen Blätterkranzes befindet sich eine goldene Noardske Balke.       Abbildung siehe oben.

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Aus  Simon Molitor: Vorrede zur Sonate op. 7 (1807) gibt es noch ein Zitat zur Hummel:

"Unter der teutschen Zyther versteht Herr Albrechtsberger vermuthlich jenes mit Drathsaiten bezogene Instrument, welches wir unter der Benennung Zyther in den Händen des unmusikalischen Volkes antreffen. Sie hat keinen Hals zum Umspannen, sondern besteht ganz aus einem flachen Resonanzkasten, der auf einer Seite gerade abgeschnitten, und für die zwey äussersten Saiten mit einem Grifbrette versehen ist, auf welchem sich Bünde von Eisendrath befinden. Diejenigen, die sie noch am besten spielen, lassen meistens nur einen Gesang mit Terzen uns Sexten vergesellschaftet einhergehen, wozu sie von den übrigen Saiten einen Baß anschlagen; meistens aber wird sie in einen Hauptaccord gestimmt, und wo dieser vorkommt, nur ausgestreift."

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??? "...  das unmusikalische Volk ..." ???

!!!  ... in fast jedem Hause sei eine Hummel gewesen  ... !!!

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Nach 1900 wird die Hummel in weiten Bereichen vom  "Diatonischen Akkordeon" verdrängt  (Treksack / Trekbüdel / Handorgel / Handörgeli / Quetschkomode / Quetschbüdel ) Die vielen volkstümlichen Bezeichnungen zeugen von der Beliebtheit des neuen Instrumentes !

Im vogtländischen Musikviertel - in Markneukirchen und Klingenthal - versuchen Instrumentenbauer die alte Hummel mit neuen Knopf-Elementen von der Ziehharmonika und der Konzertina zu verbinden. In Klingenthal hatten sich bereits Akkordeonbauer etabliert.

Otto Teller aus Klingenthal baute ab 1919 auf eine Hummel eine Mechanik zur Verkürzung der Saiten aus Feder- und Knopfelementen des Akkordeonbaus :

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Akkordolia

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Sinnigerweise nannte er das Instrument   Akkordolia .  Mit den Knöpfen der oberen Reihe lassen sich verschiedene Akkorde drückenTeller baute dieses Instrument auch in vergrößerter Form mit mehr Begleitsaiten als Konzert-Akkordolia. Die Herstellung der einzelnen Teile geschah in Heimarbeit in den Dörfern um Klingenthal herum. Vertreter reisten über Land, um besonders der musikalisch nicht ausgebildeten Landbevölkerung dieses Instrument zur Hausmusik anzupreisen.

Über Tabulatur, d.h. über Zahlen auf den Knöpfen, die denen der "Noten" entsprachen, konnten auch Laien schnell zu einem musikalischen Erfolg kommen.

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Ein anderes mechanisiertes Instrument habe ich in Frankreich erstanden und war sehr überrascht, daß   "Made in Germany"  darauf stand ! ("Made in ..."  mußte seit 1887 auf allen Handelswaren verzeichnet sein, die in England eingeführt werden sollten)  Ich vermute den Ursprung des Instrumentes ebenso aus Klingenthal.  Bei diesem zweisaitigen Instrument wurde ein Brett mit Knopfmechaniken von der Konzertina zur Verkürzung der Saiten verwendet.  1880 gibt es ein (US-)Patent eines englischen Instrumentenbauers für ein ähnliches Tasteninstrument - mit der gleichen Tastatur.

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Solophone

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Leider befindet sich im Instrument kein Herstellerzettel.

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Im Mai 2010 habe ich folgende Information gefunden:

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Katalog vom Instrumentehändler Hamilton S. Gordon in New York 1897:

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Hierdurch wird deutlich, dass das Instrument unter die Streichzithern

zu subsummieren ist.

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Becker's SOLOPHONE

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Mit diesen Instrumenten endet eigentlich die

Geschichte der historischen Hummel in Deutschland.

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Ein interessanter Aspekt muß jedoch noch nachgetragen werden:

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Japan

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(english text at: www.dulcimersessions.com )  June 2009

1906 wurde der japanische Musiker und Instrumentenbauer Goro Morita vom ersten Ministerpräsidenten Japans mit einem Stipendium nach den USA und Europa geschickt , um neben seinen Konzerten europäische Musik und die Instrumente zu studieren. Irgendwo hat er eine mechanische Schreibmaschine entdeckt und die Idee entwickelt, diese Mechaniken zu verwenden für die Verkürzung von Saiten auf einer Hummel.  Sein Aufenthalt dauerte bis 1908 und nach seiner Rückkehr nach Japan hatte er im September 1912 das erste Taishokoto fertig. Taisho ist eine (kaiserliche) Zeit in Japan und das Koto ist ein sehr altes, traditionelles und größeres Instrument.

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Taishokoto

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Taishokoto aus dem Instrumentenmuseum Hamamatsu.

Die vorderen Tasten des Instrumentes entsprechen der Bundeinteilung der Hummel.  Diese Einteilung der Tasten finden sich ebenso auf der Drehleier.  Diese Einteilung

 bezieht sich auf die mittelalterliche Teilung des Monochordes des Guido von Arezzo aus dem Jahre  1025.  Der Grundton ist auf der dritten Taste der unteren Reihe und die leere Saite beginnt mit der Unterquarte. Die hinteren Tasten des Taishokotos erzeugen die Halbtöne.

Heute spielen über 1 Million Menschen in Japan das Taishokoto. Das Instrument wird in Sopran- , Alt- , Tenor-  und Baßgröße gebaut. Oft werden die Instrumente  elektrisch verstärkt. Es wird traditionelle japanische Musik gespielt, Enka, die Mischform von japanischer und europäischer Musik und klassische europäische Musik. Auch flotte moderne Musik ist zu hören.

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Auch in den Schulen wird das Instrument unterrichtet.

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Taishokoto

Im Alter von 82 Jahren hat diese japanische Dame noch angefangen,

das Spiel auf dem Taishokoto zu erlernen

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Hummel und Akkordolia werden 2007 in Hiroshima mit Interesse begutachtet.

Ebenso in Okayama, Nagoya, Tokyo und Hamamatsu

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Akkordolia in Japan

Übergabe einer frühen Akkordolia (von Glass & Teller) aus meiner Sammlung an den Präsidenten des Instrumentenmuseum Hamamatsu Shima Kazuhiko im August 2007.

Im Gegenzug bekam ich von der Firma Suzuki ein Taishokoto.

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Taishokoto

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Das erste europäische Taishokoto   -   Sept. 2007 hergestellt in Ostfriesland  !!!

Eine Woche Aufenthalt beim Instrumentenbauer Yoshio Hirano hat mir Einblicke in dieses Instrument gegeben.

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Taishokoto

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Ein Klangbeispiel ist bei   www.youtube.de   unter Ulricus1 zu hören.

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Das Taishogoto wurde vor dem 2. Weltkrieg auch nach Indien exportiert, wo es  heute noch in etwas veränderter Form gebaut wird. Hier hat es einen sehr schönen Namen bekommen :

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"Bulbul Tarang"  =  "Waves of the Nightingale"  =  sinngemäß : "Singende Nachtigal"

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Ein amerikanischer Instrumentenhändler schreibt:

These indian banjos are all hand made and all tend to have some noticeable defects and rough edges. We have gotten these from different manufacturers and have never found any to be of the same quality standards as Western instruments. We do make sure that they are all playable and that the sound is not affected but their finishes are typically worse than what one would expect on a new instrument. We still sell these because they are a popular item and many people do want them but we also want you to know exactly what to expect before you purchase.

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Bulbul Tarang

  -  Singende Nachtigal

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Die Idee mit den breiteren klaviaturähnlichen Tasten ist nicht schlecht - gegenüber den kleinen Tasten des Taishokoto - ebenso der integrierte Transportkasten.

Leider ist die handwerkliche Qualität nicht sonderlich gut! Die Nachtigal scheint auch etwas "erkältet" zu sein!

Die japanischen Taishokotos sind erstklassig in der Verarbeitung.

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1919 kam ein Taishokoto nach Belutschestan (zwischen Iran, Pakistan und Afghanistan). Das ist ja ganz nett, sagten Musiker dort -  aber wir brauchen das in doppelter Größe !!!

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Abdulrahman Surizehi mit einem Benju (vergrößerte Form des Taishokoto)

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Das Benju wird zu meiner großen Freude wieder mit etlichen Bordunsaiten gespielt - wie bei der alten Hummel !!!

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Wilfried Ulrich und Abdulrahman Surizehi im Museum Sigdal / Norwegen nach dem Konzert.

2008

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Neu:

Im Mai 2009 wurde die Flensburg-Hummel  -  die schönste deutsche Hummel von 1758 -  in der Werkstatt Ulrich restauriert.

Etliche falsch adaptierte Teile, wie moderne Gitarrenbünde als Ober- und Untersattel , dicke Cellosaiten und moderne Gitarrenstahlsaiten mit Messingkugel sowie falsch gesetzte Saitenstifte im Obersattel konnten fachgerecht korrigiert werden.

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Flensburg-Hummel 1758

Der erste Bund hat vom Sattel den Abstand von drei Halbtönen. Die leeren Saiten haben den Ton "e" . Das Instrument hat den Grundmodus A-moll. Das Instrument kommt ursprünglich von der Hallig Lanegness. Das Schalloch hat die verschlungenen und gespiegelten Buchstaben H und P , so daß sie in der Mitte ein Herz bilden. Darüber ist eine Brautkrone. Hieraus wird geschlossen, daß es sich um ein Brautgeschenk handelt. Die Bünde der oberen Oktave sind äußerst abenteuerlich gesetzt und aus den Abriebspuren am Griffbrett kann man ersehen, daß auch hauptsächlich die untere Oktave gespielt wurde. 

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November 2009 kam die Friesische Hummel aus Harderslev (DK) in die Werkstatt zwecks Restaurierung - ein großes Instrument mit der Saitenmensur 82 cm.

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Haderslev-Hummel

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Im Mai 2010 war die Restaurierung abgeschlossen.

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Das Instrument kommt ursprünglich aus Elmshorn bei Hamburg. Das Museum Flensburg tauschte es gegen einen Renaissanceteppich aus Haderslev.

Fast 100 Jahre lang lag es kaputt und nicht restauriert im Museum. Jetzt macht es einen guten Eindruck. Tonaufnahmen unter kontrollierten Bedingungen konnten gemacht werden. Bei YouTube gibt es unter ulricus1 Videos von dem Instrument .

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Ende 2011 konnte die letzte der  Hummeln aus Museen in Schleswig-Holstein restauriert werden. Das Instrument kam Ende des 19. Jh. vom Thaulow Museum Kiel ins Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf. Zu der Zeit muß es auch wieder falsch zusammengebaut worden sein. In 100 Jahren hatten sich viele Holzwürmer gleichmäßig durch Decke und Griffbrett gearbeitet. Nach Abnahme des Griffbrettes zeigte sich jedoch, daß 4 Wurmlöcher in Griffbrett und Decke nicht kompatibel waren! Das Griffbrett war um 2 cm falsch aufgeleimt. Sattel und Steg hatten nur eine halbrunde Leiste bekommen und die Wirbel waren lediglich zur optischen Ergänzung grob hergestellt. Aus der Berechnung der Mensur des Griffbrettes ergab sich auch, daß ein Steg auf der Decke sein mußte und nicht am unteren Ende des Instrumentes. Um 1880 / 90 muß also das Instrument schon recht alt und ramponiert gewesen sein, so daß man den Zeitpunkt der Herstellung sicher auf den Anfang des 19. Jh. legen kann.

All diese Fehler konnten bereinigt werden und siehe da  -  ein klangstarkes Instrument wurde wiedererweckt !  Eine CD - Aufnahme als Klangdokumentation konnte erstellt werden.

Meldorf - Hummel

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Bei einer Restaurierung von historischen Instrumenten dürfen keine Neuerungen implantiert werden. Es darf nur das geändert werden, was nach sach- und fachgerechter Beurteilung falsch "restauriert" wurde, oder wie es zum Zeitpunkt der Herstellung bzw. des rechten musikalischen Gebrauchs notwendig war.

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Neue Hummeln sind heute nach aller Kunst des Instrumentenbaus gestaltet. Bünde sind nach den Erfordernissen der mathematischen Teilung exakt gesetzt und das Griffbrett verbreitert, so daß mehrere Saiten für das akkordische Spiel gegriffen werden können. Halbtonbünde erweitern die musikalischen Möglichkeiten, so daß für einen Part in Moll die Stimmung der Saiten nicht verändert werden muß, und ein fetziger Blues ist ebenso möglich.

Mehr hierzu auf der nächsten Seite.

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Wegen der langen Seite die  "Rücktaste"  benutzen

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